DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS
Ausstellung und Veranstaltungsprogramm zum Roman
„Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss
initiiert von Julia Lazarus und Moira Zoitl

IG BILDENDE KUNST
Gumpendorfer Straße 10-12 1060 Wien
5. Februar 2014 bis 21. März 2014
http://www.igbildendekunst.at

Die Ästhetik des Widerstands „Ich gehöre nicht zu den Autoren, die ihre Kunst von ihrem gesellschaftlichen Leben trennen, und die der Kunst eine autonome Existenz zusprechen. Auch ich bin ... davon überzeugt, dass die größte Qualität der Kunst in ihrer Fähigkeit liegt, in die Wirklichkeit einzugreifen, um diese zu verändern.“ Peter Weiss

"Die Ästhetik des Widerstands", 1975, 1978 und 1981 in drei Bänden veröffentlicht, gilt als das schriftstellerische Hauptwerk von Peter Weiss. Der Roman entwickelte sich in den 80ern zum Kristallisationspunkt politisch-ästhetischer Diskussionsveranstaltungen und wurde angesichts seiner außergewöhnlich breiten Rezeption auch als der „letzte gemeinsamen Nenner“ der Linken bezeichnet. Eines der Kernanliegen der Triologie bildet die Reflexion des Verhältnisses von Kunst und Politik, eine Fragestellung, die bis heute immer wieder neu verhandelt wird. Der Roman liefert dabei weniger einen Beitrag zur ästhetischen Theorie, sondern eher die Ausarbeitung einer ästhetischen Pädagogik.

In diesem Sinne ist das Buch ein Bildungsroman, in dem junge Arbeiter eine widerständige Praxis durch die Wechselhaftigkeit der Geschichte erlernen, sich aber auch eine ästhetische Kultur aneignen, die die politische Ausbildung ergänzen soll und ihr vielleicht sogar vorausgeht. Eine der zentralen Thesen des Romans von Peter Weiss ist, dass sich durch die Auseinandersetzung mit Werken der Bildenden Kunst und der Literatur neue Modelle für die politische Aktion und für ein Verständnis des Sozialen entwickeln lassen. Die jungen Protagonisten des Romans, dessen Handlung sich von den späten 30er Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg spannt, treffen sich immer wieder in Museen und Galerien um gemeinsam Kunstwerke zu betrachten und diese im Hinblick auf den politischen Kampfes der Unterdrückten neu zu interpretieren. In dem Buch geht es also um die Ausbildung von politischen Überzeugungen und den Gewinn von neuen Erkenntnissen durch das Lesen und Interpretieren von Kunst, letztendlich also um das Erlernen und Sammeln von in der Gegenwart anwendbarem Wissen und politischem Verständnis durch die selbstbestimmte Rezeption der Kulturgeschichte.

Damit knüpft Peter Weiss an die Ideale und Ideen der Arbeiterbildung an, die möglicherweise – wenn auch unter anderen Vorzeichen – eine Fortsetzung finden in der gegenwärtigen Praxis des selbstbestimmten Lernens. Mit der Ausstellung und dem begleitenden Programm zu dem Buch „Die Ästhetik des Widerstands“ in der Galerie IG-Bildende-Kunst wollen wir die dem Roman zugrunde liegenden Themen in der Gegenwart neu verorten und der Frage nachgehen, inwieweit die in Peter Weiss´s Roman aufgestellten Thesen für das künstlerische und das politische Feld auch heute noch Gültigkeit haben. Mittels einer breit angelegten Einladung, die sich an Bildende Künstler_innen, als auch Schriftsteller_inen, Kritiker_innen und Kuratoren_innen richtet haben wir Personen die sich in ihren Arbeiten bereits mit dem Werk von Peter Weiss beschäftigt haben, eingeladen einen Beitrag zu gestalten.



 


.